Mit der Einführung des Unterrichtsfaches Englisch in der 1. Klasse wird der heutigen Lebenswirklichkeit Rechnung getragen und jedes Kind bekommt die Chance, diese Fremdsprache so früh zu lernen, dass Raum entsteht für weitere Fremdsprachen in der weiterführenden Schule. Der frühe Beginn hat positive Rückwirkungen auf die Identitätsbildung und öffnet den Blick für eine andere Kultur. Entwicklungspsychologische Erkenntnisse, legen nahe, Fremdsprachen in den Unterricht ab Klasse 1 aufzunehmen, da die Grundschule das Fundament für alles legt, was die Gesellschaft für lernenswert hält. Dazu gehören auch Fremdsprachen! 

Der frühe Fremdsprachenunterricht nutzt vor allem altersgemäße Eigenschaften des Kindes wie Neugier, Wissbegierde, das Kommunikationsbedürfnis sowie die Bereitschaft und die Fähigkeit zur Nachahmung. An der KGS Niederkrüchten findet der Englischunterricht in der 1. Klasse ab dem zweiten Halbjahr statt, um den Kindern eine Eingewöhnungsphase für das Leben in der Schule zu geben. Ab dem 2. Halbjahr kennen die Kinder sich besser mit dem Schulalltag aus und können so pro Woche 2 Unterrichtsstunden in Englisch unterrichtet werden. Da die Kinder das Erlernen der Muttersprache noch nicht abgeschlossen haben, können sie besser als Erwachsene damit umgehen, etwas nicht sofort zu verstehen und lassen sich meist gerne und sehr erfolgreich auf das Erraten des Inhalts ein. Außerdem verfügen die Kinder über eine große sprachliche Beweglichkeit. Dies macht sich vor allem im Bereich fremder Laute bemerkbar, die sie genauer wahrnehmen und erfolgreicher nachahmen. Studien haben bewiesen, dass der frühe Beginn des Fremdspracherlernens zu einer verbesserten Aussprache führt. Last, but not least spielen die emotionale Ebene und die Motivation eine große Rolle. Kinder lassen sich für spielerische Übungsformen und Experimente mit Sprache begeistern, auf die sich ältere Lerner kaum einlassen. Sie bauen so eine persönliche Bindung zur englischen Sprache auf, die im späteren Leben nicht mehr geschaffen werden kann.


Wie lernen die Kinder in der Grundschule Englisch?

Grundschulkinder können Sprache nicht als System betrachten, das nach bestimmten Regeln funktioniert. Das heißt zwar, dass sie langsamer Englisch lernen als Erwachsene, es bedeutet aber gleichzeitig, dass sie der Art und Weise, wie Muttersprachler Sprache betrachten und verwenden, viel näher kommen. Sie lernen durch Zuhören, Nachsprechen und Ausprobieren. Der Englischunterricht findet von daher von Anfang an weitestgehend einsprachig statt. Dies gibt den Kindern nicht nur die Gelegenheit sehr viel Englisch zu hören, sondern sie erfahren auch, dass sie es verstehen können. Betonung, Gestik, Mimik und das Zeigen von Gegenständen und Bildern führen dazu, dass die Kommunikation schon in der ersten Unterrichtsstunde funktioniert. Auch neue Wörter werden auf diese Weise eingeführt. So entsteht eine direkte Verknüpfung zwischen Wort und Bedeutung. Die Kinder lernen nicht, auf Deutsch zu denken und dann ins Englische zu übersetzen, sondern verwenden direkt die englische Sprache. Nur so können sie später fließend sprechen. Ein Vokabelheft mit zweisprachigen Wörterlisten ist deshalb im Englischunterricht der Grundschule nicht sinnvoll. Die Kinder legen jedoch immer wieder in anderen Formen Sammlungen von Wörtern und Wendungen an.

Welche Ziele verfolgt der Englischunterricht in der Grundschule?

Dem Kind sollen Grundlagen einer Fremdsprache und ihres kommunikativen Gebrauchs vermittelt werden und eine zusätzliche Chance bieten, andere Sichtweisen auf die Welt kennen zu lernen, sich für fremde Kulturen zu öffnen und sich in der Welt zu orientieren. Dadurch kann dem Kind auch seine eigene Sozialisation bewusst gemacht werden. Der Englischunterricht gewinnt durch den Blick auf das Eigene und das Fremde eine interkulturelle Dimension und soll einen wichtigen Beitrag zur Gesamtentwicklung des Kindes leisten. Dadurch werden emotionale, kreative, soziale, kognitive und sprachliche Fähigkeiten gleichermaßen fördern. Das Kind soll motiviert werden, sich auch in einer anderen als der eigenen Sprache zu verständigen. Durch die Begegnung mit einer fremden Sprache wird dem Kind auch die Muttersprache bewusster. Durch den frühen Englischunterricht soll das Kind Lerntechniken erfahren, die ihm helfen, auch zunehmend selbstständig zu arbeiten.

Womit beschäftigt sich der Englischunterricht in der Grundschule?

Die Inhalte sollen den Interessen des Kindes entsprechen und diese erweitern, die Gefühle ansprechen, das Engagement, die Phantasie und die Kreativität fördern und Spaß machen. Die Voraussetzungen für die Einführung ergeben sich aus dem gültigen Rahmenplan „Englisch in der Grundschule“. Die Einhaltung aller Vorgaben ist zu gewährleisten. Dennoch werden beim Englischunterricht in der 1. und 2. Klasse nicht einfach der Unterricht für die Klassen 3 und 4 um zwei Jahre vorgezogen. Der Englischunterricht beschäftigt sich stets mit Themen, die im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Leben der Kinder stehen und hat zum Ziel, ihnen die Kommunikation darüber zu ermöglichen. Dabei müssen Fehler erlaubt sein! Verschiedene Bedingungen sind zu berücksichtigen:
Die sprachlichen Lernvoraussetzungen der eingeschulten Kinder sind sehr unterschiedlich, deshalb muss den Kindern ein differenziertes Lernangebot zur Verfügung gestellt werden. So kann jedes Kind individuell, entsprechend seiner Möglichkeiten arbeiten. In den ersten Klassen werden Kinder mit ersten Englischkenntnissen (aus umliegenden Kindergärten) mit Kindern zusammentreffen, die keinerlei Erfahrungen haben. Da dies viele Kinder betrifft, müssen die Lerneinheiten zu intensiveren Übungen anstelle von zügigem sprachlichem Fortschreiten genutzt werden. Die Aufgaben und Ziele des grundschulgemäßen Englischunterrichts in den ersten beiden Klassen können ohne Schreibleistungen erreicht werden.


Nachdem in den ersten beiden Klassen das Sprechen und Hören im Mittelpunkt steht, nimmt das Schreiben und Lesen erst in der 3. und 4. Klasse einen höheren Stellenwert ein. Viele Kinder können sich Wörter jedoch besser einprägen, wenn sie auch das Schriftbild kennen, und so wird dieses von Anfang an auch schon als Lernhilfe verwendet. Zunächst geht es nur darum bekannte Wörter wiederzuerkennen. Später sollen die Kinder auch kleinere Sätze erlesen und verstehen können, eigene Notizen festhalten und schließlich, im 3. und 4. Schuljahr, wird das Schreiben auch zum eigenständigen Kommunikationsmittel und zum wichtigen Bestandteil vieler Übungen und kleiner, unbenoteter Lernzielkontrollen. Auch wenn die Kinder ein Gespür für englische Schreibweisen entwickeln, wird Rechtschreibung nicht bewertet.

Eine wichtige Rolle im Englischunterricht spielen Hand- und Fingerpuppen, die die Kinder zum Sprechen animieren. Reime und Lieder sind ebenso bedeutsam wie Spiele, Bilderbücher und andere authentische Materialien, die den Kindern Einblicke in das Leben im englischsprachigen Ausland gewähren. Alle Kinder finden Gelegenheiten, die Sprache auszuprobieren, sei es mit einem Partner, beim Chorsprechen, oder vor der ganzen Klasse.

Was und wie wird im Englischunterricht bewertet?

 

Die Bewertung im Fach Englisch erfolgt hauptsächlich auf Grundlage der Beteiligung am Englischunterricht. Kann das Kind den Arbeitsanweisungen und inhaltlichen Angeboten folgen und sie vielleicht sogar für andere auf Deutsch zusammenfassen? Traut es sich die englische Sprache zu verwenden? Kann es erfolgreich kommunizieren? Und inwieweit setzt es dabei geübte Wörter und Sätze richtig um, oder verändert sie sogar für seine eigenen Zwecke? Sprechen und Hören dienen also als Schwerpunkt für die Bewertung des Englischunterrichtes. In Klasse 3 und 4 spielen auch Lesen und Schreiben eine kleine, eher untergeordnete Rolle. Verfahren zur Feststellung der Lernfortschritte im frühen Englischunterricht sollen die ganzheitliche Entwicklung des Kindes berücksichtigen, also sein Ausdrucksvermögen, seine Kreativität, sein soziales und sprachliches Handeln. Formale sprachliche Aspekte stehen dabei nicht im Vordergrund. Die Fortschritte in der Leistung sollen für alle Beteiligten erkennbar sein.

 

Wie können Eltern ihre Kinder unterstützen?

 

 

Da der Englischunterricht besonders in den unteren Klassen sehr von der Mündlichkeit lebt, ist es für Eltern häufig schwer herauszufinden, was ihr Kind lernt und wie sie ihm dabei helfen können. Folgende Möglichkeiten können helfen, sich ein Bild zu machen und ihr Kind beim Fremdsprachenlernen zu bestärken:
Fragen Sie ihr Kind nach dem Themenfeld, das zurzeit im Mittelpunkt des Englischunterrichts steht (z.B. body, animals, weather), finden sie heraus, welche Wörter aus diesem Bereich es sich gemerkt hat. Lassen sie es nicht übersetzen. Verwenden sie Gegenstände oder Bilder. Fragen Sie nach Reimen und Liedern und lassen sie sich diese beibringen. Würdigen sie gelungene Kommunikation. Weisen sie nicht ausdrücklich auf Fehler hin oder erklären grammatische Phänomene. Wiederholen sie Aussagen in korrekter Form. Wenn Sie zusätzliche Materialien nutzen wollen, empfehlen sich englischsprachige Bilderbücher oder CDs. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind Spaß an den Inhalten hat und überfordern Sie es nicht. Zu viel Input kann zu Resignation und Angst vor der Fremdsprache führen.